Johannes Maria Staud (*1974)

bezieht für seine Musik immer wieder Inspiration aus anderen Künsten wie Literatur, Film und bildender Kunst. Auch Reflexionen über philosophische Fragen, gesellschaftliche Prozesse oder politische Ereignisse sind Anlass für seine kompositorische Arbeit.

Dabei folgen seine kunstvoll konstruierten Werke einer konsequenten Dramaturgie.

Das Lucerne Festival, welches Johannes Maria Staud 2014 zum Composer in residence ernannte, präsentierte mehrere Ur- und Erstaufführungen, welche exemplarisch für diese thematische Vielfalt stehen: Das Violinkonzert Oskar (Towards a Brighter Hue II), für Midori geschrieben, entwickelt das von einer Skulptur des englischen Künstlers David Nash inspirierte Solostück Towards a Brighter Hue weiter. Das Verhältnis von Gesellschaft und Individuum analysiert die Oper Die Antilope nach einem Libretto von Durs Grünbein, welcher auch die Textvorlage zu Der Riss durch den Tag lieferte. Das Monodram für Bruno Ganz, 2011 uraufgeführt und 2014 erneut in Luzern präsentiert, bezieht sich auf Grünbeins Heimatstadt Dresden und erzählt von sozialer Kälte, Ignoranz und deren Auswirkungen. Erstmals war in Luzern die Gesamtfassung von Zimt. Ein Diptychon für Bruno Schulz zu erleben, ein Werk, für das sich Johannes Maria Staud intensiv mit dem Schaffen des jüdischen Schriftstellers und Zeichners beschäftigte. Der erste Teil dieses Orchesterdiptychons, On Comparative Meteorology, war in der Urfassung 2009 vom Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst und in der Neufassung 2010 vom RSO Wien unter Peter Eötvös uraufgeführt worden; der zweite Teil Contrebande (On Comparative Meteorology II) war von Pierre Boulez für das Ensemble Modern Orchestra in Auftrag gegeben und von diesem unter Peter Eötvös 2010 aus der Taufe gehoben worden.

Die Saison 2015/16 beginnt für Johannes Maria Staud beim Festival Musica in Straßburg mit der Uraufführung von Auf die Stimme der weißen Kreide (Specter I-III), einem großen Instrumentalwerk für das Ensemble Modern. Eine Woche später eröffnet Specter of the Gardenia oder Der Tag wird kommen den steirischen herbst. Der szenische Abend entstand in Zusammenarbeit mit Josef Winkler und wird mit dem Ensemble Modern unter Emilio Pomàrico von Sofia Simitz auf die Bühne gebracht. Das musikprotokoll im steirischen herbst präsentiert im Oktober zudem die Uraufführung eines neuen Stückes für das ensemble recherche. Noch im September steht zudem an der Kölner Philharmonie die Uraufführung von Wasserzeichen für das Trio Catch an. Das junge Ensemble nimmt als ECHO Rising Star das Stück mit auf seine von der European Concert Hall Organisation organisierte Tournee, die u.a. nach Amsterdam, Brüssel, Hamburg, Wien, London und Porto führt. Im Mai 2016 bringt das Ensemble Intercontemporain beim Kölner Festival Acht Brücken den zweiten Teil von Par ici – Par là zur Uraufführung und präsentiert das Ensemblediptychon damit erstmals komplett.

2015/16 kehrt Johannes Maria Staud außerdem an die Hochschule zurück, an der seine kompositorische Ausbildung begonnen hatte: Er vertritt seinen ehemaligen Lehrer Michael Jarrell für ein Jahr als Kompositionsprofessor an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Hier finden Sie den aktuellen Komponistenprospekt.

1974

geboren in Innsbruck

1994-2001

Studium der Komposition bei Michael Jarrell, Musikwissenschaft und Philosophie in Wien, Fortsetzung des Kompositionsstudiums bei Hanspeter Kyburz in Berlin

2000

1. Preis des Kompositionswettbewerbs Hanns Eisler, Berlin

2001

Erste Bank Kompositionspreis

2003

1. Preis des International Rostrum of Composers für Komponisten unter 30 Jahren

2004

Förderpreis der Ernst-von-Siemens-Musikstiftung

2005

Uraufführung von Apeiron durch die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle

2006

Uraufführung von Segue für Violoncello und Orchester durch Heinrich Schiff und die Wiener Philharmoniker unter Daniel Barenboim bei den Salzburger Festspielen

2009

Paul-Hindemith-Preis des Schleswig-Holstein Musik Festivals

2011

Capell-Compositeur bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden, dort Uraufführungen von Tondo durch die Staatskapelle Dresden unter Christoph Eschenbach

2012

Uraufführung von Maniai durch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons

2014

Composer-in-residence beim Lucerne Festival, dort Uraufführungen der Oper Die Antilope

2015/16

Vertretungsprofessor für Komposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

2016

Preis der Stadt Innsbruck für das künstlerische Schaffen

seit 2018

Professur für Komposition am Mozarteum Salzburg


Schriften von Johannes Maria Staud

Die Musik in Wunden legen. Der Tiroler Komponist Johannes Maria Staud wurde gestern Donnerstag mit dem Preis für künstlerisches Schaffen der Stadt Innsbruck geehrt. Ein Gespräch über Musik, Demokratie und Kritik in bewegten Zeiten (mit Ivona Jelcic), in: Trioler Tageszeitung vom 22. November 2016