Beschreibung
Der aus der tibetisch-buddhistischen Tradition stammende Begriff Tulpa bezeichnet im paranormalen Diskurs ein Wesen, das durch intensive Imagination in der reinen Vorstellung beginnt, um dann greifbare Realität und Empfindung zu werden. Tulpas werden entweder durch einen bewussten Akt des individuellen Willens oder unbeabsichtigt aus den Gedanken zahlreicher Menschen erschaffen. Faszinierend wird mit dieser Idee in David Lynchs Meisterwerk Twin Peaks gespielt.
Atmosphärisch erinnert mein Werk an die schwebende Irritation in der dritten Staffel (2017). Vertraute Klangräume öffnen sich ins Unbestimmte, Identitäten scheinen sich zu verschieben, sie nehmen bisweilen gar ihr Gegenteil an. Musikalische Gestalten treten wie aus einem Schatten hervor und lösen sich wieder auf. Zeit wird gedehnt, Erwartung unterwandert – Realität erscheint als fragile Konstruktion.
In Verbindung mit dem Motiv des Doppelgängers, vor allem in Bezugnahme auf Edgar Allan Poe, das aber auch in der christlich-jüdischen Tradition bekannt ist, entsteht so ein Spannungsfeld zwischen Projektion und Spiegelbild, zwischen innerem Bild und äußerer Erscheinung.
Das Ich begegnet seinem eigenen Abbild als unheimlicher Gegenfigur; Wiederholung wird zur Bedrohung, Spiegelung zur Selbstbefragung. Nichts kehrt identisch zurück, alles trägt eine Spur von Verwandlung. In memoriam für meinen 2026 viel zu früh verstorbenen Freund Uwe Dierksen geschrieben, gewinnt das Stück eine zusätzliche Bedeutungsebene: Erinnerung erscheint hier nicht als statisches Gedenken, sondern als imaginativer Akt – das Gedachte erhält Form, das Vergangene wird – für einen Moment – zur Gegenwart.
Für den wunderbaren Wolfgang Kogert komponiert, erkundet das Werk die Orgel als Instrument zwischen Körper und Raum, zwischen innerer Vision und äußerer Resonanz. Tulpa/Doppelgänger wird so zu einer musikalischen Reflexion über Imagination und Identität.
(Johannes Maria Staud, 16.3. 2026)
EB 9677
EAN: 9790004191729
24 Seiten / 25 x 32 cm / geheftet
EB 9677D
EAN: 9790004826201
Beschreibung
Der aus der tibetisch-buddhistischen Tradition stammende Begriff Tulpa bezeichnet im paranormalen Diskurs ein Wesen, das durch intensive Imagination in der reinen Vorstellung beginnt, um dann greifbare Realität und Empfindung zu werden. Tulpas werden entweder durch einen bewussten Akt des individuellen Willens oder unbeabsichtigt aus den Gedanken zahlreicher Menschen erschaffen. Faszinierend wird mit dieser Idee in David Lynchs Meisterwerk Twin Peaks gespielt.
Atmosphärisch erinnert mein Werk an die schwebende Irritation in der dritten Staffel (2017). Vertraute Klangräume öffnen sich ins Unbestimmte, Identitäten scheinen sich zu verschieben, sie nehmen bisweilen gar ihr Gegenteil an. Musikalische Gestalten treten wie aus einem Schatten hervor und lösen sich wieder auf. Zeit wird gedehnt, Erwartung unterwandert – Realität erscheint als fragile Konstruktion.
In Verbindung mit dem Motiv des Doppelgängers, vor allem in Bezugnahme auf Edgar Allan Poe, das aber auch in der christlich-jüdischen Tradition bekannt ist, entsteht so ein Spannungsfeld zwischen Projektion und Spiegelbild, zwischen innerem Bild und äußerer Erscheinung.
Das Ich begegnet seinem eigenen Abbild als unheimlicher Gegenfigur; Wiederholung wird zur Bedrohung, Spiegelung zur Selbstbefragung. Nichts kehrt identisch zurück, alles trägt eine Spur von Verwandlung. In memoriam für meinen 2026 viel zu früh verstorbenen Freund Uwe Dierksen geschrieben, gewinnt das Stück eine zusätzliche Bedeutungsebene: Erinnerung erscheint hier nicht als statisches Gedenken, sondern als imaginativer Akt – das Gedachte erhält Form, das Vergangene wird – für einen Moment – zur Gegenwart.
Für den wunderbaren Wolfgang Kogert komponiert, erkundet das Werk die Orgel als Instrument zwischen Körper und Raum, zwischen innerer Vision und äußerer Resonanz. Tulpa/Doppelgänger wird so zu einer musikalischen Reflexion über Imagination und Identität.
(Johannes Maria Staud, 16.3. 2026)
Uraufführung
Uraufführung: Klagenfurt/Österreich (Carinthischer Sommer), Klagenfurter Dom, 23. Juli 2026
Wolfgang Kogert gewidmet