Las ínsulas extrañas
[Cemb,5Instr] 2024 Dauer: 14′30″ Solo: Cemb – Fl.Ob.Klar.Vl.Vc
Beschreibung
Diese Komposition entstand 2024 als Auftragswerk des Festival Internacional de Música y Danza de Granada (als Composer in Residence des Festivals). Sie versteht sich als ein Dialog mit Manuel de Fallas Concerto für Cembalo und fünf Instrumente.
Der Titel entstammt dem Cántico espiritual des heiligen Johannes vom Kreuz. Die Verbindung des Mystikers mit Manuel de Falla und mit Granada eröffnet ein Geflecht erstaunlicher Beziehungen. Besonders bewegend erscheint mir die Tatsache, dass Johannes vom Kreuz auf dem Hügel der Alhambra, im einstigen Convento de los Mártires – heute nicht mehr erhalten; an seiner Stelle befindet sich der Carmen de los Mártires – fünf Jahre lang als Prior wirkte. In den Räumen dieses Klosters entstanden einige der grundlegendsten Texte seiner poetischen und mystischen Welt. Den Quellen zufolge fand dort nicht nur der Cántico espiritual seine endgültige Gestalt, sondern auch die Noche oscura, ebenso wie die großen Kommentare, darunter jener zum Cántico, der Aufstieg auf den Berg Karmel und die Lebendige Flamme der Liebe. Die Tatsache, dass Manuel de Falla sein letztes großes Werk, das Concerto, nur wenige Schritte entfernt von jenem Kloster komponierte, in dem Johannes einst wirkte, verleiht diesem Ort eine eigentümliche Dichte.
Meine Komposition versucht keineswegs, Fallas Concerto nachzuahmen. Vielmehr entwirft sie eine beinahe mystische Reise durch sieben Klanglandschaften, die den Weg einer allmählichen Erweiterung und Verfeinerung der Wahrnehmung beschreiben. Das musikalische Material entfaltet sich in Ostinati, in Klangblöcken, die sich wie konzentrische Spiegel öffnen, in Echos und organischen Übergängen zwischen den einzelnen Landschaften, während das Cembalo stets das Zentrum dieses Weges bildet. Seit vielen Jahren fasziniert mich eine äußerst kurze Passage aus Fallas Concerto: die Takte bei der Probenziffer 7 des zweiten Satzes. Diese fernen, tiefen, dunklen Akkorde, langsam und mit eindringlicher rhythmischer Artikulation gesetzt, wurden für mehrere Momente meiner eigenen Komposition zum Keim und Ursprung des musikalischen Materials. Der Dialog mit Falla bleibt dabei bewusst gefiltert und auf das Wesentliche reduziert. Er erweitert sich auf die Ebenen von Raum und Zeit und findet seine geistige Konvergenz in der Gestalt des kastilischen Mystikers. Das Cembalo steht im Zentrum eines unablässigen Resonanzraums mit den fünf Instrumenten des Ensembles; gemeinsam bilden sie untrennbare Klangwesen, welche die musikalischen Prozesse gestalten, die gleichsam von Insel zu Insel über unbekannte Landschaften wandern. Wie der Aufstieg auf den Berg Karmel – den Johannes vom Kreuz nicht nur beschrieb, sondern in einer einzigartigen Handzeichnung selbst entwarf – verbindet auch diese Komposition die Suche nach mystischer und geistiger Erfüllung mit einem Raum, der seinem Wesen nach bereits Mystik ist: dem Weg selbst.
Las ínsulas extrañas ist eine Kartographie dieser Spiegelungen und Resonanzen – eine Landkarte, auf der sich Johannes vom Kreuz, Manuel de Falla und der Berg, der beide verbindet, in einem Dialog begegnen, der Räume und Zeiten überschreitet.
MM 2360174
Mietmaterial
Beschreibung
Diese Komposition entstand 2024 als Auftragswerk des Festival Internacional de Música y Danza de Granada (als Composer in Residence des Festivals). Sie versteht sich als ein Dialog mit Manuel de Fallas Concerto für Cembalo und fünf Instrumente.
Der Titel entstammt dem Cántico espiritual des heiligen Johannes vom Kreuz. Die Verbindung des Mystikers mit Manuel de Falla und mit Granada eröffnet ein Geflecht erstaunlicher Beziehungen. Besonders bewegend erscheint mir die Tatsache, dass Johannes vom Kreuz auf dem Hügel der Alhambra, im einstigen Convento de los Mártires – heute nicht mehr erhalten; an seiner Stelle befindet sich der Carmen de los Mártires – fünf Jahre lang als Prior wirkte. In den Räumen dieses Klosters entstanden einige der grundlegendsten Texte seiner poetischen und mystischen Welt. Den Quellen zufolge fand dort nicht nur der Cántico espiritual seine endgültige Gestalt, sondern auch die Noche oscura, ebenso wie die großen Kommentare, darunter jener zum Cántico, der Aufstieg auf den Berg Karmel und die Lebendige Flamme der Liebe. Die Tatsache, dass Manuel de Falla sein letztes großes Werk, das Concerto, nur wenige Schritte entfernt von jenem Kloster komponierte, in dem Johannes einst wirkte, verleiht diesem Ort eine eigentümliche Dichte.
Meine Komposition versucht keineswegs, Fallas Concerto nachzuahmen. Vielmehr entwirft sie eine beinahe mystische Reise durch sieben Klanglandschaften, die den Weg einer allmählichen Erweiterung und Verfeinerung der Wahrnehmung beschreiben. Das musikalische Material entfaltet sich in Ostinati, in Klangblöcken, die sich wie konzentrische Spiegel öffnen, in Echos und organischen Übergängen zwischen den einzelnen Landschaften, während das Cembalo stets das Zentrum dieses Weges bildet. Seit vielen Jahren fasziniert mich eine äußerst kurze Passage aus Fallas Concerto: die Takte bei der Probenziffer 7 des zweiten Satzes. Diese fernen, tiefen, dunklen Akkorde, langsam und mit eindringlicher rhythmischer Artikulation gesetzt, wurden für mehrere Momente meiner eigenen Komposition zum Keim und Ursprung des musikalischen Materials. Der Dialog mit Falla bleibt dabei bewusst gefiltert und auf das Wesentliche reduziert. Er erweitert sich auf die Ebenen von Raum und Zeit und findet seine geistige Konvergenz in der Gestalt des kastilischen Mystikers. Das Cembalo steht im Zentrum eines unablässigen Resonanzraums mit den fünf Instrumenten des Ensembles; gemeinsam bilden sie untrennbare Klangwesen, welche die musikalischen Prozesse gestalten, die gleichsam von Insel zu Insel über unbekannte Landschaften wandern. Wie der Aufstieg auf den Berg Karmel – den Johannes vom Kreuz nicht nur beschrieb, sondern in einer einzigartigen Handzeichnung selbst entwarf – verbindet auch diese Komposition die Suche nach mystischer und geistiger Erfüllung mit einem Raum, der seinem Wesen nach bereits Mystik ist: dem Weg selbst.
Las ínsulas extrañas ist eine Kartographie dieser Spiegelungen und Resonanzen – eine Landkarte, auf der sich Johannes vom Kreuz, Manuel de Falla und der Berg, der beide verbindet, in einem Dialog begegnen, der Räume und Zeiten überschreitet.
Uraufführung
Uraufführung: Granada/Spanien (Festival Internacional de Música y Danza de Granada), Hospital Real, 18. Juni 2024
Auftragswerk des Festival Internacional de Música y Danza de Granada