The Singing Tree
[Soli,KiCh,Ens] 2021/22 Dauer: 50' Soli: SMezTBarB – Kinderchor: SA – Ensemble: 2Fl(2Picc).Ob.Ob-d’am.Eh.B-Ob.2B-Klar – 2Hn.Trp.Pos.Tuba – 2Schl – Hfe.E-Git – Klav – 2Vl.2Va.2Vc.Kb und Zusatzinstrumente
Vokaltext: EnglischBeschreibung
Die Zeit der Bäume, die Zeit der Musik.
Bäume verkörpern eine Zeitdimension, die menschliche Maßstäbe übersteigt. Diese Erfahrung bildet den gedanklichen Ausgangspunkt für The Singing Tree, eine kantatenartige Komposition nach einem Text von Paul Griffiths für fünf Solisten, Kinderchor und großes Ensemble. Der Text entfaltet sich organisch aus dem Wort TREE und wächst in mathematisch gesteigerten Wortmengen. Daraus entwickelt sich eine musikalische Vielschichtigkeit von Zeit: gedehnte cantus-firmus-Strukturen, flüchtige Textbewegungen und ostinate Wiederholungen, die sich zu mantraartigen Beschwörungen verdichten.
Die sieben Sätze des Werks evozieren eine spezifische „Baum-Zeit“, indem sie Erinnerungen bündeln. Diese sind zum einen persönlich, sichtbar in den Widmungen einzelner Sätze an Familienmitglieder, Lehrer, Freunde und Kollegen. Zum anderen sind sie kultur- und musikgeschichtlich verankert: In den sogenannten Medieval Memory-Sätzen wird jeweils eine andere Fassung von Guillaume de Machauts Rondeau Puis qu’en oubli verarbeitet.
Machaut, der am Beginn der europäischen Musikgeschichte steht, erscheint hier im Kontrast zur nahezu zeitlosen Existenz alter Bäume, von denen viele bereits Jahrtausende vor ihm existierten. So verbindet das Werk individuelle Erinnerung, historische Tiefenschichten und ökologische Reflexion. Es macht erfahrbar, wie Musik – ähnlich wie Bäume – Zeit speichert, überdauert und zugleich verletzlich ist in einer Gegenwart, die jahrhundertealtes Leben immer schneller preisgibt
for they speak without speech
one to another to another to another
in words that go by way of the ground
in words of such length we cannot keep still to the end of one
in words of such length we have gone before they end
in words of such length they have been here from before us
in words of close breath
in green music
(denn sie sprechen ohne Sprache
einer zum anderen zum anderen zum anderen
in untergründig verbreiteten Worten
in so langen Worten, dass wir nicht bis zu deren Ende stillhalten können
in so langen Worten, dass wir verschwinden, bevor sie enden
in so langen Worten, dass sie schon vor uns hier waren
in Worten geschlossenen Atems
in grüner Musik)
Beim Anschauen der Marsbilder von der NASA Perseverance Mission vermisse ich am meisten die Bäume.
MM 2385424
Mietmaterial
Beschreibung
Beschreibung
Die Zeit der Bäume, die Zeit der Musik.
Bäume verkörpern eine Zeitdimension, die menschliche Maßstäbe übersteigt. Diese Erfahrung bildet den gedanklichen Ausgangspunkt für The Singing Tree, eine kantatenartige Komposition nach einem Text von Paul Griffiths für fünf Solisten, Kinderchor und großes Ensemble. Der Text entfaltet sich organisch aus dem Wort TREE und wächst in mathematisch gesteigerten Wortmengen. Daraus entwickelt sich eine musikalische Vielschichtigkeit von Zeit: gedehnte cantus-firmus-Strukturen, flüchtige Textbewegungen und ostinate Wiederholungen, die sich zu mantraartigen Beschwörungen verdichten.
Die sieben Sätze des Werks evozieren eine spezifische „Baum-Zeit“, indem sie Erinnerungen bündeln. Diese sind zum einen persönlich, sichtbar in den Widmungen einzelner Sätze an Familienmitglieder, Lehrer, Freunde und Kollegen. Zum anderen sind sie kultur- und musikgeschichtlich verankert: In den sogenannten Medieval Memory-Sätzen wird jeweils eine andere Fassung von Guillaume de Machauts Rondeau Puis qu’en oubli verarbeitet.
Machaut, der am Beginn der europäischen Musikgeschichte steht, erscheint hier im Kontrast zur nahezu zeitlosen Existenz alter Bäume, von denen viele bereits Jahrtausende vor ihm existierten. So verbindet das Werk individuelle Erinnerung, historische Tiefenschichten und ökologische Reflexion. Es macht erfahrbar, wie Musik – ähnlich wie Bäume – Zeit speichert, überdauert und zugleich verletzlich ist in einer Gegenwart, die jahrhundertealtes Leben immer schneller preisgibt
for they speak without speech
one to another to another to another
in words that go by way of the ground
in words of such length we cannot keep still to the end of one
in words of such length we have gone before they end
in words of such length they have been here from before us
in words of close breath
in green music
(denn sie sprechen ohne Sprache
einer zum anderen zum anderen zum anderen
in untergründig verbreiteten Worten
in so langen Worten, dass wir nicht bis zu deren Ende stillhalten können
in so langen Worten, dass wir verschwinden, bevor sie enden
in so langen Worten, dass sie schon vor uns hier waren
in Worten geschlossenen Atems
in grüner Musik)
Beim Anschauen der Marsbilder von der NASA Perseverance Mission vermisse ich am meisten die Bäume.
Inhaltsverzeichnis
| 1. | Enduring Elm (word – phrase) – for Barbara Keal | (Part 1: seed, root, trunk) |
| 2. | Trees become god (statement) – in memoriam Rod Freeman | (Part 1: seed, root, trunk) |
| 3. | The hum of time (theory) – for Farhaad Rahnama | (Part 1: seed, root, trunk) |
| 4. | Medieval Memory (I) – for Kosmo Love | (Part 1: seed, root, trunk) |
| 5. | Nearer to you (story and metamorphoses) – for Stephan Meier | (Part 2: branch, twig, leaf, flower) |
| 6. | Medieval memory (II) / Machaut: Puis qu’en oubli (memory flown) – for Frank Denyer | (Part 2: branch, twig, leaf, flower) |
| 7. | In green music (psalm) – for Frank Reinisch and Helmut Lachenmann | (Part 2: branch, twig, leaf, flower) |
Uraufführung
Uraufführung: Birmingham/UK, 12. Mai 2023
Auftragswerk der Birmingham Contemporary Music Group