Martin Smolka

*1959, Prag

„In jeder Komposition tritt Smolka 'mit dem Gefühl an, dass ich alles neu erlernen oder sogar neu erfinden muss'. Strukturell fallen in seiner Musik Momente des Beharrlichen, spannungsvoll Insistierenden, sich gleichsam Festbeißenden auf. Dabei lässt sich im Verlauf seiner Entwicklung eine Zunahme an Stringenz und Klarheit sowie eine stärkere Profilierung von Gegensätzen beobachten."

Petr Bakla

Der 1959 in Prag geborene Martin Smolka trat Anfang der 1980er Jahre in die Musikwelt ein, als er das Ensemble Agon mitbegründete — in den späten 80er und frühen 90er Jahren der bedeutendste Vermittler der internationalen musikalischen Avantgarde in der tschechischen Szene. Er studierte Komposition an der Musikfakultät der Akademie der Darstellenden Künste in Prag; von entscheidender Bedeutung war zudem der Privatunterricht bei Marek Kopelent.

In den frühen 90er Jahren interessierte sich Smolka für ungewöhnliche Instrumentaltechniken und Klangquellen — tief gestimmte Saiten, alte Grammophone, verschiedene Gegenstände als Schlagzeug. Einige Kompositionen dieser Zeit bezeichnet er als „Klangfotografien", etwa Rain, a window, roofs, chimneys, pigeons and so… and railway bridges, too für großes Ensemble (1992). Metaphorisch oszilliert Smolkas Musik zwischen zwei Polen: rissiger, beschwingt hinkender Geselligkeit auf der einen und melancholischer Erinnerung sowie nostalgischem Echo auf der anderen Seite.

In den späten 90er Jahren wandte sich Smolka dem „Recycling" von Elementen traditioneller Musik zu, die in Mikrointervallen deformiert und collageartig arrangiert werden — etwa in Remix, Redream, Reflight für Orchester (2000) oder Blue Bells or Bell Blues für Orchester (2011, ausgezeichnet von der Stiftung Prince Pierre de Monaco). Darüber hinaus widmete er sich intensiv der Vokalmusik, u.a. in Poema de balcones für Chor (2008), Psalmus 114 für Chor und Orchester (2009) und Stretto für 6 Sänger und Vibraphon (2019).

In Prag ist Smolka vor allem durch seine Oper Nagano bekannt, für die er mit dem Alfréd-Radok-Preis ausgezeichnet wurde. In den Jahren 2003–2024 unterrichtete er Komposition in Brünn, seit 2023 ist er Professor für Komposition in Prag.

Auszeichnungen
Alfréd-Radok-Preis (Oper Nagano)
Stiftung Prince Pierre de Monaco (Blue Bells or Bell Blues, 2011)
Ausgewählte Werke
Rain, a window… (1992) Semplice (2005) Poema de balcones (2008) Psalmus 114 (2009) Blue Bells or Bell Blues (2011) Stretto (2019) Oper Nagano