Still and again
Drei Arien aus ?????
[S,Ens] 2011 Dauer: 28' S – Fl.Klar.Schl.Klav.Keyboard.Vl.Vc.Elektronik
Beschreibung
Drei Arien aus „OUTIS“, einer Experimentaloper für Sopran (Penelope), Tänzer (Odysseus), Ensemble und Live-Elektronik, in der Deklamation und Choreographie sich wechselseitig dekonstruieren: Den musikalischen Bewegungen einer Sopranstimme werden die klingenden Handlungen eines Tänzers gegenübergestellt, der durch seine Sensoren die Stimme moduliert. Umgekehrt „berühren“ Sprache und Melodie der Sängerin den Tänzer, der ihre Klänge erzeugt. Die drei nicht-interaktiven Arien von „still and again“ konzentrieren sich auf Penelopes Isolation.
I
“erzähle mir auch von jenem Manne des Jammers,
ob er noch irgendwo lebt und schaut die Strahlen der Sonne,
oder ob er schon tot ist und in den Häusern des Hades.”
Ihr antwortete drauf das schattige Traumbild und sagte:
“Nein, von ihm kann ich Dir nicht erschöpfend berichten, ob er noch
lebt oder tot ist, denn windiges Schwatzen ist doch ein Übel.”
So sprach es und entwich an dem Riegel der Türe vorbei ins
Wehen der Winde; doch da fuhr sie empor aus dem Schlafe,
des Ikarios Tochter, und wieder wurd’ ihr ums Herz warm,
weil ein so deutlicher Traum ihr genaht im nächtlichen Dunkel.
Von Gerüchten und Gespenstern, fernen Echos des trojanischen Krieges, Zeichen, Stimmen und entsetzlicher Stille. Von der gleichförmig verrinnenden Zeit des Wartens, rauschhaften Illusionen, regloser Verzweiflung und der Klugheit einer Frau, die ihre Fassung nicht verliert.
II
Ja gewiß harrt jene noch aus, mit standhaftem Mute,
dort in deinen Hallen, und jammervoll schwinden ihr stetig
hin die Tage und Nächte […]
Und sobald sie zurückgelehnt mit den Rudern die Salzflut
wirbelten, senkte sich diesem Schlaf auf die Lider,
unerwecklich, ganz süß, dem Tode am nächsten vergleichbar […]
und da schlief er nun ruhig, vergessend all seine Leiden.
Im Traum wird Odysseus vom Bild der Geliebten geleitet. Sie singt ihm, hellsichtig, verzeihend, was war und was wird. Jedes Wort ein Versprechen, voll ungeduldiger Zuversicht.
III
[…] und viel erwog sie im Herzen,
ob sie von weitem ihren lieben Gatten befrage
oder, ihm nahend, Haupt und Hände ergreife und küsse.
So überschritt sie die steinerne Schwelle und trat in den Saal ein,
setzte sich dann in des Feuers Schein gegenüber Odysseus
an die andere Wand, der saß an dem stattlichen Pfeiler,
schaute hinab auf den Boden und wartete, ob sie ihm etwas
sage, die treffliche Gattin, nachdem sie leibhaftig gesehn ihn,
sie aber saß lange stumm, betäubt war ihr Herz und verwundert;
bald dachte sie, in sein Antlitz blickend, er sei es, bald wieder
konnte sie ihn nicht erkennen in seiner schäbigen Kleidung.
Wie sich begegnen, verletzlich und staunend, ungläubig berührt. Ist er’s? Odysseus der Fremde, Odysseus der Strahlende, unfassbar wirklich. Wer wird man sich sein?
Originalzitate aus: Homer, Odyssee, Aus dem Griechischen übersetzt von Kurt Steinmann, Manesse 2007
MM 2334825
Mietmaterial
Beschreibung
Beschreibung
Drei Arien aus „OUTIS“, einer Experimentaloper für Sopran (Penelope), Tänzer (Odysseus), Ensemble und Live-Elektronik, in der Deklamation und Choreographie sich wechselseitig dekonstruieren: Den musikalischen Bewegungen einer Sopranstimme werden die klingenden Handlungen eines Tänzers gegenübergestellt, der durch seine Sensoren die Stimme moduliert. Umgekehrt „berühren“ Sprache und Melodie der Sängerin den Tänzer, der ihre Klänge erzeugt. Die drei nicht-interaktiven Arien von „still and again“ konzentrieren sich auf Penelopes Isolation.
I
“erzähle mir auch von jenem Manne des Jammers,
ob er noch irgendwo lebt und schaut die Strahlen der Sonne,
oder ob er schon tot ist und in den Häusern des Hades.”
Ihr antwortete drauf das schattige Traumbild und sagte:
“Nein, von ihm kann ich Dir nicht erschöpfend berichten, ob er noch
lebt oder tot ist, denn windiges Schwatzen ist doch ein Übel.”
So sprach es und entwich an dem Riegel der Türe vorbei ins
Wehen der Winde; doch da fuhr sie empor aus dem Schlafe,
des Ikarios Tochter, und wieder wurd’ ihr ums Herz warm,
weil ein so deutlicher Traum ihr genaht im nächtlichen Dunkel.
Von Gerüchten und Gespenstern, fernen Echos des trojanischen Krieges, Zeichen, Stimmen und entsetzlicher Stille. Von der gleichförmig verrinnenden Zeit des Wartens, rauschhaften Illusionen, regloser Verzweiflung und der Klugheit einer Frau, die ihre Fassung nicht verliert.
II
Ja gewiß harrt jene noch aus, mit standhaftem Mute,
dort in deinen Hallen, und jammervoll schwinden ihr stetig
hin die Tage und Nächte […]
Und sobald sie zurückgelehnt mit den Rudern die Salzflut
wirbelten, senkte sich diesem Schlaf auf die Lider,
unerwecklich, ganz süß, dem Tode am nächsten vergleichbar […]
und da schlief er nun ruhig, vergessend all seine Leiden.
Im Traum wird Odysseus vom Bild der Geliebten geleitet. Sie singt ihm, hellsichtig, verzeihend, was war und was wird. Jedes Wort ein Versprechen, voll ungeduldiger Zuversicht.
III
[…] und viel erwog sie im Herzen,
ob sie von weitem ihren lieben Gatten befrage
oder, ihm nahend, Haupt und Hände ergreife und küsse.
So überschritt sie die steinerne Schwelle und trat in den Saal ein,
setzte sich dann in des Feuers Schein gegenüber Odysseus
an die andere Wand, der saß an dem stattlichen Pfeiler,
schaute hinab auf den Boden und wartete, ob sie ihm etwas
sage, die treffliche Gattin, nachdem sie leibhaftig gesehn ihn,
sie aber saß lange stumm, betäubt war ihr Herz und verwundert;
bald dachte sie, in sein Antlitz blickend, er sei es, bald wieder
konnte sie ihn nicht erkennen in seiner schäbigen Kleidung.
Wie sich begegnen, verletzlich und staunend, ungläubig berührt. Ist er’s? Odysseus der Fremde, Odysseus der Strahlende, unfassbar wirklich. Wer wird man sich sein?
Originalzitate aus: Homer, Odyssee, Aus dem Griechischen übersetzt von Kurt Steinmann, Manesse 2007
Uraufführung
Uraufführung: Frankfurt am Main, 11. März 2011