Lachenmanns „Marche fatale“ – die erste Uraufführung 2018

Das neue Jahr war gerade einmal 17 Stunden alt sein, da erlebten wir bereits die erste Uraufführung des Jahres 2018. Helmut Lachenmann hat im Frühjahr 2017 sein Klavierstück Marche fatale orchestriert. Ein für ihn erstmaliger und keinesfalls geradliniger Prozess, dessen Ergebnis die Möglichkeiten eines groß besetzten Symphonieorchesters reflektiert und andererseits doch nie den Bezug zum Original verliert.

Wir sprachen mit dem Komponisten über seine Arbeit: „Mein Marsch steht in Es-Dur, wie es sich gehört und benutzt melodische und rhythmische Floskeln, die ich nicht erfunden, aber halt vorgefunden habe. Keine Ahnung, wo die „Melodie“ meines Marsches herkommt. Auch die Harmonien sind weiß Gott nicht von mir. Aber selbst hier sehe ich mich in einer alten Tradition, derjenigen des indirekten Zitates. Komponisten sind Parasiten, benutzen und bedienen sich überlieferter Wirkungen, abgerufener Faszinosa, ob es vertraute Dreiklänge, vorgegebene Gattungen, oder wunderbare Instrumente mit ihrer historischen, exotischen, landschaftlichen oder wie auch immer idyllischen Aura sind. Ihre Aufgabe ist, solche Vertrautheit wie auch immer zu neuem, gelegentlich auch irritierendem Leuchten zu bringen.“

Die Uraufführung im Jubiläumskonzert des Württembergischen Staatsorchesters war ein voller Erfolg. Das kurze Werk wurde im Konzert wiederholt, und auch die Presse profitiert von der Entscheidung, die „Marche fatale“ ein zweites Mal zu Gehör zu bringen: „Spätestens beim wiederholten Hören wird deutlich, dass der Meister des Geräuschklangs mit seiner Marche mitnichten das Frühere in Frage stellt, sondern auch hier unsere Ohren neu hören lehren will.“ (Susanne Benda, Stuttgarter Nachrichten)  

Hören Sie „Marche fatale“ gespielt vom Staatsorchester Stuttgart auf Youtube.

In Up to date 1-2018 lesen Sie unser vollständiges Interview mit dem Komponisten.

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